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Neubau einer Reithalle - Sanierung der Bestandsreithalle

Um den wachsenden Anforderungen des modernen Pferdesportes gerecht zu werden, entschloss sich der Eigentümer des "Abtshofes" in Mönchengladbach, einer Reitsportanlage im Anschluss an eine unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Gutshofanlage, eine zweite, gegenüber der Bestandsreithalle wesentlich größere und vor allem turniersporttaugliche Reithalle zu errichten.
Diese Reithalle wurde aus vorgefertigten Bauteilelementen in kurzer Bauzeit erstellt. Eine verzinkte Stahl-Grundkonstruktion dient als Primär-Tragwerk, vor welches Stahlbeton-Fertigteil-Wandelemente (gedämmte Sandwich-Fertigteile) vorgesetzt wurden. Zwischen den Stahlbindern des Dachtragwerkes sind Holzpfetten montiert, auf denen die Dachdeckung aus Wellfaserzementplatten aufgelegt ist.
Zur Belichtung und Belüftung der Reithalle dienen neben den in den Betonwandelementen eingebauten Fenstern mit ausstellbaren Kippflügeln einerseits transluzente Dachflächen aus PVC-Wellplatten, andererseits ein aufgesetzter Licht- und Lüftungsfirst aus einer Stahlbogenkonstruktion mit einer lichtdurchlässigen Kunststoffbekleidung.
Das Gebäude wurde mit einem üppigen Dachüberstand an der Zugangsseite projektiert, der einen witterungsgeschützten Vorbereich schafft. Unter diesem Dachüberstand erschließt sich einerseits der Zugang in die Vorzone der Reithalle über die beiden zweiflügeligen Toröffnungen, andererseits der Eingang in das in die Reithalle eingestellte Reitercasino. Zudem führt unter dem Dachüberstand eine Außentreppe auf eine Galerieebene, deren geschützte Außenfläche einen Blick auf das Außengelände bietet. Nach Durchschreiten des Türzuganges in der Giebelverglasung gelangt man auf Höhe der Galeriebene auch in das Innere der Reithalle.
Somit ist von erhöhter Position aus sowohl der Außenbereich der Reitsportanlage mit Springreitplatz und Dressurviereck einsehbar, als auch die Reitfläche der Reithalle mit einem "Hufschlagmaß" von 25 m x 70 m (= 1.750 qm).
Mittels einer mobilen Sitztribüne ist es möglich, in der Reithalle ein Reitturnier mit bis zu 300 Zuschauerplätzen auszutragen (Hufschlagmaß bei Tribüneneinbau: 25 m x 55 m = 1.275 qm). Sämtliche baubehördlichen Auflagen sowie das technische Equipment für Reitturnierveranstaltungen wurden entsprechend berücksichtigt und umgesetzt (Rettungswegkonzept, Brandschutzkonzept, Beschallung, Belichtung).
Der unter dem Dachüberstand sowohl außer- als auch innerhalb der Reithalle platzierte kubische Baukörper beinhaltet neben der im Obergeschoss befindlichen Zuschauergalerie im Erdgeschoss das Reitercasino nebst zugehöriger Sanitär- und Technikräume. Durch zwei breitgelagerte Fensteranlagen ist es durch den um vier Stufen angehobenen Fußboden des Reitercasino möglich, aus sitzender Position im Gastraum über die 1,40 m hohe, die Reitfläche einfassende Reitbande auf den sogenannten "Hufschlag", die eigentliche Reitfläche, hinüberzuschauen. Zwischen dem mit grauem Betonstein verblendeten, in den Reithallenbaukörper eingeschobenen "Kubus" und der Reitfläche gibt es eine die beiden Reithallenvorbereiche verbindende, um zwei Stufen höhergelegene Fläche, die neben der Verbindungsfunktion auf diese Weise zudem als erhöhtes Zuschauerpodest dient. Die Ausstattung der Reithalle wird komplettiert durch eine professionelle Beregnungsanlage, die computergesteuert dafür sorgt, dass Reitboden und Tretschicht den für den Reitsport erforderlichen, staubbindenden Feuchtigkeitsgehalt aufweisen. Diese Anlage kann variabel auf unterschiedliche Besonnung reagieren und somit einer durch die transluzenten Dachflächen verursachten, zonierten Austrocknung des Bodens entgegenwirken.

Die Reithallenbeleuchtung durch insgesamt 56 Spezialleuchten leistet eine gemäß den offiziellen Turniervorgaben entsprechende Beleuchtungsstärke und kann für den alltäglichen Reitbetrieb hinsichtlich der Lichtstärke sowie zur Ausleuchtung unterschiedlicher Hallenbereiche eingeregelt werden. Die Dachfläche der Reithalle wurde mit Photovoltaikmodulen belegt; auf diese Weise wird durch den Ertrag erneuerbarer Energien der Gebäudekörper einer zusätzlichen, nachhaltigen Nutzung zugeführt. Das Reithallengebäude hatte sich gemäß der Vorgabe des Denkmalamtes (Umgebungsschutz für die denkmalgeschützte Gutshofanlage) in einem weißen Farbton mit anthrazitfarbener Dachfläche zu präsentieren. Auf einer der Hallenlängsseiten wurden zur Belebung der funktionalen Gebäudeform dunkle Pferdesilhouetten auf der weißen Wandfläche aufgetragen, die dem Betrachter die Funktion des Gebäudes unmittelbar verdeutlichen.

Im Anschluss an die Fertigstellung der neuen Reithalle wurde die Bestandsreithalle aufwändig saniert, statisch ertüchtigt und mit Photovoltaikelementen sowie neuer Beregnungsanlage und Beleuchtung versehen.